Perfektion

„Sie ist einfach noch nicht perfekt!“ Ich stehe zweifelnd vor einer Torte. Die Torte hat wundervoll gerade Kanten, keine Macken oder ähnlich offensichtliche Fehler. Und doch stört mich etwas und ich weiß noch nicht mal was es ist. So geht es mir oft. Leider zu oft. In den letzten Wochen habe ich viele Menschen kennengelernt, denen es genauso geht. Sie wollen das, was sie tun, perfekt machen. „Ich bin ein Perfektionist“, sagt die eine, „ich bin nicht zufrieden, bis die Torte perfekt ist“, sagt der andere.

Die Schattenseite

Schön, wenn man einen hohen Anspruch an die eigene Arbeit hat. Gut, wenn man immer sein ganzes Können in ein Werk stecken möchte. Aber die Sache hat auch eine Schattenseite: Man ist nie zufrieden, mit dem was man tut. Und das ist ja alles andere als perfekt.

Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.“ – Antoine de Saint-Exupéry

Dieses Zitat hat mich zum Nachdenken angeregt. Wenn ich das mal auf eine Torte übertrage, bedeutet das für mich folgendes: Wenn ich überlege, ob da noch eine weitere Blüten der Optik gut tun würde, sollte ich wohl eher anders denken. Wirkt sie besser, wenn ich eine wegnehme? Das ist ein interessanter Denkansatz, den ich mir für die kommenden Woche in der Peggy Porschen Academy beim Thema Cake Decoration merken will. Für mich sind Peggys Torten nämlich perfekt. Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen und auch nichts wegzulassen.

Als ich neulich über meine größte Schwäche, meine Ungeduld geschrieben habe (lies hier), hat mein Mann meinen Artikel auf Facebook so kommentiert:

Können und Leidenschaft sind Voraussetzung um gut zu sein, Geduld ist der Schlüssel zur Perfektion!

Eigentlich sind es dann ja nur drei Zutaten, um perfekt zu werden: Können, Leidenschaft und Geduld? Klingt einfach. Das Können habe ich wohl schon ein bisschen, Leidenschaft mehr als genug und das mit der Geduld wird sich doch auch irgendwie lernen lassen😂 oder in meinem Fall vielleicht auch nicht… Also doch nicht so einfach. Schade.

Der Umweg

Da das mit der Geduld wohl doch eine etwas höhere Hürde als das Können darstellt,  werde ich wohl einen Umweg einschlagen müssen. Für mich hat Perfektion etwas mit Zufriedenheit zu tun. Ich kann also auch einen Umkehrschluss daraus machen: Wenn ich mit etwas, z.B. einer Torte, zufrieden und im besten Fall sehr zufrieden bin, ist sie für mich perfekt. Für mich. Das bedeutet nicht, dass sie subjektiv betrachtet nicht noch verbessert werden könnte. Wenn ich es also schaffe, mit meiner Arbeit an einer Torte zufrieden zu sein, komme ich in meinem Streben nach Perfektion auch voran. Ich nehme den Umweg über die Zufriedenheit. Ich habe Euch mal ein paar Dinge zusammengestellt, mit denen ich zufrieden bin. Und wie der gute Antoine es meint, an denen ich auch nichts weglassen würde💕

Was aber nicht heissen soll, dass ich die Torten perfekt finde. Ich könnte zu jedem einzelnen Bild schreiben, was ich gerne anders hätte, aber das führt definitiv zu weit.

Klein Anfangen

Es gibt in meinem Laden und in meinem Leben aber auch schon einige Dinge, die für mich perfekt sind. An denen ich nichts ändern möchte. Da wären z.B. mein Logo, meine Isabel, meine Vermieterin und viele meiner Werkzeuge, meine Ehe und manchmal auch mein perfekter Morgen, wenn ich den Tag mit einem Läufchen beginnen kann.  Wenn man klein anfängt, kommen die großen Dinge ganz von allein.  Und wenn mich das nächste Mal mein Perfektionsdrang an den Rand des Wahnsinns treibt, werde ich hoffentlich daran denken, dass auch Peggy mal klein angefangen hat. Nach ihrem perfekten Morgen möchte ich sie in jedem Fall fragen😋

Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, das man nicht alleine ist mit diesem Problem. Dass es anderen auch so geht. Die eigenen Fähigkeiten zu verbessern und dazuzulernen, wie ich es hier in London gerade tue, bringt mich beim Wunsch nach der perfekten Torte wieder ein kleines Stückchen weiter. Ich werde es Euch wissen lassen, wenn ich es irgendwann einmal geschafft habe.

Bis dahin bleibt kreativ

Eure Petra💕